Verhaltenstherapie

Was ist eine Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie basiert auf der Annahme, dass sich Denk-, Verhaltens- und Gefühlsmuster aufgrund von Lernprozessen und Erfahrungen bilden, die zu Beeinträchtigungen und Leid führen können.
Seit Ende der 1990er Jahre hat es eine Vielzahl von Weiterentwicklungen gegeben, die aus der Verhaltenstherapie entstanden sind. Der Begriff Verhaltenstherapie hat sich hierdurch zu einer therapeutischen Grundorientierung entwickelt, die eine große Zahl von Vorgehensweisen umfasst, denen jedoch einige Grundprinzipien gemeinsam sind:

  1. Verhaltenstherapie orientiert sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen.
  2. Verhaltenstherapie ist problem- und lösungsorientiert.
  3. Verhaltenstherapie setzt an den ursächlichen, auslösenden und aufrechterhaltenden Problembedingungen an.
  4. Verhaltenstherapie ist handlungsorientiert.
  5. Verhaltenstherapie findet auch mal außerhalb der Therapieräume statt.
  6. Verhaltenstherapie ist transparent.
  7. Verhaltenstherapie soll „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein.
  8. Verhaltenstherapie ist individuell und stellt den einzelnen Menschen in den Vordergrund.

In einem ersten Schritt erfolgt eine genaue Diagnostik und Problemanalyse in Form von Situations- und Bedingungsanalysen sowie die Erarbeitung eines individuellen Entstehungsmodells ihrer aktuellen Problematik. Anschließend werden gemeinsam konkrete Therapieziele formuliert und ein individueller Gesamtbehandlungsplan erstellt.

Typische Vorgehensweisen / Techniken der Verhaltenstherapie sind:

  • Reizkonfrontation/Expositionsbehandlung
  • Systematische Desensibilisierung
  • Selbstmanagement
  • Training sozialer Kompetenzen
  • Training emotionaler Kompetenzen
  • Rollenspiele
  • Verhaltensexperimente
  • Aktivierung / Aufbau positiver Aktivitäten
  • Kognitive Umstrukturierung, d.h. Veränderung von schädlichen Denkmustern
  • Entspannungsverfahren (z.B. PMR, Autogenes Training)
  • Hypnotherapeutische Techniken
  • Euthyme Therapie (Genusstraining)

Neuere Ansätze, die sich in den letzten Jahren aus der Verhaltenstherapie entwickelt haben:

  • Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT nach Linehan)
  • Achtsamkeit; Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBCT nach Segal & Williams)
  • Metakognitive Therapie (nach Wells)
  • Schematherapie (nach Young)
  • Acceptance and Commitment-Therapie (ACT nach Hayes)
  • Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP nach Mc Cullough)

Verhaltenstherapie ist das am umfangreichsten wissenschaftlich untersuchte Therapieverfahren. Es liegen mittlerweile für fast alle psychischen Störungen umfangreiche wissenschaftliche Ergebnisse vor, die die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie belegen.